Zum ersten Mal auf einem Kirchentag gibt es eine Lounge. Was nach Zweiklassengesellschaft riecht, ist nichts weiter als ein Café auf dem Messegelände, in dem sich die Kirchentagsleitung mit Gästen, Politikern, Referenten und Sponsoren trifft.
„Ich darf nur die mit einer Ehrenkarte reinlassen, oder mit einem besonderen Stempel auf dem Teilnehmerausweis,“ sagt die 18-jährige Sarah, die am Eingang die Ausweise kontrolliert. Sarah kommt aus Dresden und bewacht mit 5 anderen Sächsinnen den Eingang zur Kirchentagslounge. „Wir dürfen uns mit am Buffet bedienen, das ist das Beste. Ansonsten ist das nichts Besonderes hier. Ein paar Politiker waren da. Aber das interessiert mich gar nicht so.“
Der verspiegelte Fahrstuhl hält im 9. Stock des Convention Center, in der Panorama Bar. Von hier blickt man über das ganze Messegelände. Die Tische am Fenster sind voll. Die Kirchentagsleitung ist soeben von der Pressekonferenz gekommen. Man unterhält sich angeregt. Die Geräusche werden durch den blauen Teppich gedämpft.
„Fliege war öfters hier. Wolfgang Huber kam mit vielen Leuten,“ sagt Barbara. „Auch von Müntefering, Thierse und von Weizsäcker habe ich gehört.“ Auf ihrem Namensschild steht englisch/französisch/italienisch. Die Lehrerin aus der Nähe von Bremen ist zum ersten Mal als Helferin auf einem Kirchentag. Sie hat sich als Dolmetscherin für die internationalen Gäste gemeldet. „Die Gäste sind ganz unscheinbar und zurückhaltend. Hier können sie in Ruhe miteinander reden. Dafür ist ja bei dem straffen Programm in den Hallen oft keine Zeit.“
In der Kirchentagslounge gibt es Essen und Getränke von 10 bis 23 Uhr: Kartoffelsalat, Bouletten, Würstchen und belegte Brötchen. Zwei Clubräume und Internetarbeitsplätze stehen zur Verfügung. Dazu internationale Tageszeitungen.
„ Der Ort hat großen Zuspruch gefunden. Wir wollen den Referenten und geladenen Gästen, den Sponsoren und dem Präsidium einen Ort bieten, wo sie sich in Ruhe austauschen können. Deshalb halten wir den Bereich geschlossen.“ sagt Pressesprecher Rüdiger Runge. Gleichzeitig sei es auch ein kleiner Dank an die Referenten. Sie arbeiteten alle ehrenamtlich.
„Für die ausländischen Gäste ist es wunderbar, einen Rückzugsort zu haben,“ sagt ein Mann im Fahrstuhl. „ Einerseits lieben wir doch alle die Bequemlichkeit, das muss man gar nicht leugnen. Andererseits muss das gar nicht so exklusiv sein. Ein einfacher geschlossener Raum in einer der Hallen hätte es auch getan. “